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Technik10 min Lesedauer

Wohnmobil Strom:
Batterie, Landstrom und was wirklich läuft

Woher der Strom im Camper kommt, wie lange die Batterie trägt, wie viel Watt ein Campingplatz liefert und was du tust, wenn abends das Licht ausgeht.

Von Ben NeuendorfAktualisiert: Oktober 2026
Weißer Kastenwagen-Camper auf einem Campingplatz in der Abenddämmerung, über ein blaues Kabel an eine Stromsäule angeschlossen, warmes Licht in den Fenstern

Der Strom im Wohnmobil kommt aus einer Aufbaubatterie, die du über Landstrom, über die Fahrt oder über Solar auflädst. Daran hängen Licht, Wasserpumpe, Kühlschrank und Heizungsgebläse mit 12 Volt. Die 230-Volt-Steckdosen funktionieren in der Regel nur, solange du am Campingplatz angeschlossen bist. Wer diese zwei Sätze kennt, hat die Hälfte der Elektrik verstanden.

Ich campe seit 25 Jahren und vermiete seit Januar 2026 Wohnmobile in Würzburg. Zum Thema Strom stellen Mieter drei Fragen: Warum ist es plötzlich dunkel, wie viel darf ich gleichzeitig einschalten, und wie lange hält die Batterie. Dieser Artikel beantwortet alle drei, ohne dass du ein Elektrik-Buch lesen musst.

1. Woher der Strom im Wohnmobil kommt

Es gibt vier Quellen, und im Mietfahrzeug brauchst du meistens nur die ersten drei:

  • →Landstrom: Du steckst das Fahrzeug am Campingplatz oder Stellplatz an eine Stromsäule. Das Ladegerät füllt die Batterie und versorgt die 230-Volt-Steckdosen.
  • →Fahrt: Die Lichtmaschine lädt während der Fahrt auch die Aufbaubatterie, bei uns über einen Ladebooster mit bis zu 18 Ampere.
  • →Aufbaubatterie: Der Speicher, aus dem Licht, Pumpe und Kühlschrank gespeist werden, wenn weder Landstrom noch Motor laufen.
  • →Solar: Module auf dem Dach oder eine mobile Anlage. Wie viel das bringt, steht im Artikel zum Nachrüsten von Solar im Wohnmobil.

Reihenfolge im Alltag: Am Campingplatz hängt das Fahrzeug am Kabel, auf der Strecke lädt der Motor nach, und beim freien Stehen läuft alles aus der Batterie. Ein Wohnmobil ist damit ein kleines Inselnetz, das du alle paar Tage wieder auffüllst.

2. Zwei Batterien, zwei Aufgaben

Jedes Wohnmobil hat mindestens zwei Batterien. Die Starterbatterie sitzt im Motorraum und startet den Motor, wie in jedem Auto. Die Aufbaubatterie, auch Wohnraum- oder Bordbatterie genannt, versorgt den Wohnraum. Beide sind getrennt, damit ein langer Abend mit Licht und Kühlschrank nicht den Start am nächsten Morgen kostet.

Bei unseren vier Etrusco-Fahrzeugen ist die Aufbaubatterie eine 95-Ah-Batterie. Ein automatisches Ladegerät und der Ladebooster mit 18 Ampere füllen sie, ein Elektroblock von Schaudt verteilt den Strom an die Verbraucher. Auf dem Bedienpanel an der Eingangstür siehst du den Ladezustand.

Ein Rechenbeispiel: 95 Amperestunden bei 12 Volt sind gut 1.100 Wattstunden. Bei einer Blei- oder AGM-Batterie gilt die Faustregel, sie nicht unter die Hälfte zu entladen. Nutzbar sind dann rund 550 Wattstunden. Das reicht für einen Abend und eine Nacht mit Kühlschrank, Licht und Pumpe, aber nicht für den Haartrockner und nicht für eine Woche im Wald. Laut dem Ratgeber von promobil zu Bordnetz und Sicherungen haben Serienbatterien in Wohnmobilen meist zwischen 75 und 100 Amperestunden, wir liegen also im Normalbereich.

3. 12 Volt und 230 Volt: zwei getrennte Netze

Im Wohnmobil laufen zwei Stromnetze nebeneinander. Das 12-Volt-Netz hängt an der Aufbaubatterie und versorgt alles, was zum Fahrzeug gehört: Licht, Wasserpumpe, Kühlschrank, Heizungsgebläse, USB-Anschlüsse. Das 230-Volt-Netz ist das gewohnte Haushaltsnetz mit den normalen Steckdosen. Es wird nur gespeist, solange du an Landstrom hängst. Ohne Landstrom bleiben die 230-Volt-Steckdosen in der Regel stromlos, es sei denn, im Fahrzeug ist ein Wechselrichter verbaut.

Praktisch heißt das: Der Kühlschrank, die Pumpe und das Licht laufen immer, auch wenn du frei stehst. Der Laptop über die Steckdose und alles mit Heizdraht brauchen den Campingplatz. Bei unseren vier Fahrzeugen ist der Kühlschrank ein Kompressorkühlschrank mit 12 Volt. Er braucht kein Gas, dafür Bordstrom. Welche Steckdosen du im jeweiligen Fahrzeug findest, zeige ich dir bei der Übergabe.

4. Landstrom und Ampere: wie viel Leistung der Platz liefert

Landstrom kommt über einen blauen CEE-Stecker. Der Stecker ist für 16 Ampere ausgelegt, aber das heißt nicht, dass dein Stellplatz 16 Ampere liefert. Laut camperstyle zum CEE-Stecker sichern viele Plätze nur mit 4, 6 oder 10 Ampere ab. Die Leistung in Watt rechnest du einfach: Ampere mal 230 Volt.

AbsicherungMaximale LeistungWas dazu passt
6 A1.380 WLaptop, Handy, Licht, Ladegerät der Bordbatterie. Ein Wasserkocher allein ist schon grenzwertig.
10 A2.300 WZusätzlich ein Gerät mit hoher Leistung, etwa Wasserkocher oder Föhn, aber nicht beide zusammen.
16 A3.680 WDer volle Wert des blauen CEE-Steckers. Auf vielen Plätzen steht er trotzdem nicht zur Verfügung.

Die Werte 1.380, 2.300 und 3.680 Watt nennt promobil im Bordnetz-Ratgeber. Zu den 6 Ampere gibt es dort einen eigenen Beitrag: Sind 6 Ampere auf dem Campingplatz genug? Die Antwort: für Handy, Laptop, Licht und kleine Kühlgeräte ja, für Wasserkocher, Heizlüfter und Kaffeemaschine nur einzeln. Viele Rabattkarten für Campingplätze schließen zudem nur 6 Ampere ein, auch wenn die Säule mehr könnte.

Praxis-Tipp: Kabeltrommel ganz abrollen

Rolle das Kabel immer komplett von der Trommel ab, auch wenn der Abstand zur Säule kurz ist. Aufgerollt erwärmt sich ein Kabel unter Last, die Überhitzungssicherung schaltet ab, und du suchst eine Viertelstunde den Fehler. Fest eingesteckt muss der Stecker auf beiden Seiten sein, am Fahrzeug und an der Säule. Manche Säulen brauchen eine Münze oder eine Freischaltung an der Rezeption.

Wo du solche Plätze findest und worauf du bei der Wahl achtest, steht im Artikel zu Wohnmobil-Stellplätzen in Deutschland.

5. Was im Wohnmobil wie viel Strom zieht

Nicht alles belastet die Batterie gleich. Die Faustregel: Alles mit Heizdraht ist ein Großverbraucher, alles mit LED oder Elektronik ist unkritisch. Der Kompressorkühlschrank liegt dazwischen, weil er rund um die Uhr im Hintergrund arbeitet.

GerätNetzEinordnung
Kompressorkühlschrank12 VLäuft im Wechsel, nicht dauerhaft. Größter Dauerverbraucher über Nacht.
LED-Licht12 VFällt kaum ins Gewicht.
Wasserpumpe12 VZieht nur kurz, solange ein Hahn offen ist.
Heizungsgebläse und Steuerung12 VDie Heizung läuft mit Gas, das Gebläse braucht Bordstrom. Bei Frost nachts spürbar.
Handy, Tablet, LaptopUSB oder 230 VUnkritisch. Tagsüber während der Fahrt laden.
Haartrockner230 VRund 850 W, entspricht etwa 3,7 A.
Wasserkocher, Heizlüfter230 VDie Leistungsfresser. Nur mit ausreichend Ampere am Platz und nie zusammen mit anderen Großgeräten.

Ein Detail, das viele nicht auf dem Zettel haben: Kompressorgeräte brauchen beim Anlaufen kurz das Drei- bis Vierfache ihrer Nennleistung. Fliegt nach dem Einschalten die Sicherung, ist nicht unbedingt der Dauerverbrauch zu hoch. Dann schaltest du zuerst alle Verbraucher aus, setzt die Sicherung zurück und startest das Gerät mit dem hohen Anlaufstrom zuerst. Auch das steht im oben verlinkten promobil-Ratgeber.

Beim Heizen hilft eine andere Überlegung: Unsere Heizung ist eine Truma Combi 4 und läuft mit Gas, nicht mit Strom. Sie braucht den Bordstrom nur für das Gebläse und die Steuerung. Wie viel Gas sie dabei zieht, erkläre ich im Artikel Wohnmobil Gasflasche wechseln, die Winterpraxis im Artikel Wintercamping im Wohnmobil.

6. Strom ohne Steckdose: Fahren, Solar, Reserve

Wer mehrere Tage frei steht, hat drei Möglichkeiten, Strom nachzuladen. Die einfachste ist die Fahrt. Der Ladebooster liefert bis zu 18 Ampere, in einer Stunde Fahrt landen damit rechnerisch höchstens 18 Amperestunden in der Batterie. Das reicht, um den Tagesverbrauch von Kühlschrank, Licht und Pumpe zu decken, aber nicht, um eine leere Batterie in einer halben Stunde zu füllen.

Die zweite Möglichkeit ist Solar. Keines unserer vier Fahrzeuge hat eine Solaranlage fest verbaut. Wer eine Reise ohne Landstrom plant, kann bei OrcaCampers eine mobile Solaranlage für 9 Euro pro Tag zubuchen. Die dritte Möglichkeit ist die Planung: Alle zwei bis drei Tage ein Platz mit Strom, und die Batterie bleibt in einem guten Bereich. Alle Details zur Solartechnik findest du in unserem Artikel zum Nachrüsten von Solar.

7. Licht aus, Pumpe tot: die Fehlersuche in fünf Schritten

Kein Strom im Wohnraum klingt dramatisch. In den meisten Fällen ist es eine der folgenden Ursachen, und du löst sie in zehn Minuten selbst. Die Reihenfolge entspricht dem, was ich auch am Telefon abfrage.

1

Hauptschalter am Bedienpanel

An der Eingangstür sitzt das Panel mit dem Wohnraum-Schalter. Steht er auf Aus, bleibt alles dunkel, auch bei voller Batterie.

2

Spannung am Panel ablesen

Liegt sie unter etwa 11,5 Volt, ist die Aufbaubatterie leer. Dann Landstrom anschließen oder den Motor laufen lassen und eine Strecke fahren.

3

Landstrom prüfen

Sitzt der CEE-Stecker an beiden Enden fest, ist die Säule freigeschaltet, ist das Kabel ganz abgerollt? Dann den FI-Schalter und den Sicherungsautomaten im Fahrzeug auf Ein stellen.

4

Flachsicherung am Elektroblock

Durchgebrannte Sicherungen sind schwarz oder zeigen einen unterbrochenen Draht. Tausche sie nur gegen die gleiche Ampere-Zahl, Ersatz liegt im Fahrzeug.

5

Starter- und Aufbaubatterie nicht verwechseln

Springt der Motor nicht an, ist es die Starterbatterie. Ist der Wohnraum dunkel, ist es die Aufbaubatterie. Das sind zwei getrennte Probleme.

Wann es kein Fall mehr für die Selbsthilfe ist: Der Elektroblock riecht oder wird heiß, mehrere Sicherungen fliegen sofort wieder, oder die Batterie nimmt keine Ladung an. Dann rufst du beim Vermieter an, statt weiter zu probieren.

8. Und wenn du ein Wohnmobil nur mietest

Beim Mieten gehört die Elektrik zu den Dingen, die in einer Übergabe von zehn Minuten untergehen. Du bekommst den Schlüssel, einen Hinweis auf das Panel, und am ersten Abend steht der Camper dunkel auf dem Stellplatz. Ich halte das für das Minimum, das ein Vermieter leisten muss: Zeig dem Mieter, wo der Hauptschalter sitzt, wie das Panel den Ladezustand anzeigt und wie der Landstrom angeschlossen wird.

Bei OrcaCampers gehört das zur Einweisung in Würzburg. Ich zeige dir Panel, Hauptschalter, den FI-Schalter und den Anschluss für Landstrom, und ich sage dir, wie viel du mit der Batterie realistisch machen kannst. Frage bei jedem Vermieter nach vier Dingen: Wie groß ist die Aufbaubatterie, ist ein Landstromkabel samt Kabeltrommel dabei, gibt es einen Wechselrichter, und gibt es Solar? Wer diese vier Fragen beantworten kann, hat sein Fahrzeug im Griff. Weitere Punkte für die Übergabe stehen in Wohnmobil mieten: Worauf achten, was du am Abreisetag prüfst, in der Checkliste für die Abfahrt.

Wir verleihen keine Fahrzeuge. Wir schicken dich auf Abenteuer.

OrcaCampers, Würzburg

4 Fahrzeuge, persönliche Übergabe mit Einweisung in Strom, Gas und Bordtechnik. Ab 105 €/Tag zuzüglich 139 € Servicepauschale.

Verfügbarkeit prüfen →

9. Häufige Fragen zum Strom im Wohnmobil

Wie kommt Strom ins Wohnmobil?

Über drei Wege: Landstrom vom Campingplatz mit 230 Volt, die Lichtmaschine während der Fahrt und die Aufbaubatterie als Speicher. Die Aufbaubatterie versorgt im Stand alle 12-Volt-Verbraucher wie Licht, Wasserpumpe und Kühlschrank. Solarmodule sind ein vierter Weg, sofern das Fahrzeug welche hat.

Wie lange hält die Aufbaubatterie im Wohnmobil?

Das hängt von Kapazität und Verbrauch ab. Bei 95 Amperestunden und Kühlschrank, Licht, Wasserpumpe und Heizungsgebläse trägt sie dich durch eine Nacht und einen Tag, aber nicht durch eine ganze Woche ohne Landstrom und ohne Fahrt. Wer mehrere Tage frei steht, lädt zwischendurch über Landstrom oder fährt eine Etappe.

Wie viel Watt gehen bei 6, 10 oder 16 Ampere am Campingplatz?

Watt ergeben sich aus Ampere mal 230 Volt. Bei 6 Ampere sind es 1.380 Watt, bei 10 Ampere 2.300 Watt und bei 16 Ampere 3.680 Watt. Alles, was gleichzeitig läuft, zählt zusammen. Überschreitest du den Wert, fliegt die Sicherung an der Stromsäule.

Was ist der Unterschied zwischen Starterbatterie und Aufbaubatterie?

Die Starterbatterie startet den Motor und gehört zum Basisfahrzeug. Die Aufbaubatterie versorgt den Wohnraum. Beide sind getrennt, damit du morgens nicht mit leerer Starterbatterie dastehst, nur weil abends das Licht lief. Die Verwechslung der beiden ist am Telefon die häufigste Fehlerquelle.

Warum geht im Wohnmobil kein Licht und keine Wasserpumpe?

Meist ist der Hauptschalter am Bedienpanel aus oder die Aufbaubatterie leer. Prüfe zuerst den Hauptschalter, dann die Spannung am Panel. Liegt sie unter etwa 11,5 Volt, schließ Landstrom an oder fahr eine Weile. Danach folgt die Flachsicherung am Elektroblock.

Kann ich im Wohnmobil einen Wasserkocher oder Föhn benutzen?

Nur mit Landstrom und genug Ampere. Wasserkocher, Heizlüfter und Kaffeemaschinen gelten schon bei 6 Ampere als kritisch, ein Föhn mit 850 Watt zieht rund 3,7 Ampere. Wer morgens kocht und föhnt, schaltet die Geräte nacheinander ein und nicht zusammen.

Ben Neuendorf, Gründer OrcaCampers

Ben Neuendorf

Gründer OrcaCampers · 25 Jahre Camping-Erfahrung · Würzburg

Ich vermiete nicht weil ich muss. Ich vermiete weil ich weiß wie gut das Camping-Leben ist, und weil zu viele Anbieter das vergessen haben.

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